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Ein ausgebuchtes Hotel, volle Strassen, internationale Aufmerksamkeit und begeisterte Gäste: Für Destinationen klingen Grossanlässe nach einem Glücksfall. Doch wo viel Strahlkraft entsteht, wächst auch der Druck auf Bevölkerung, Infrastruktur, Mitarbeitende und Umwelt.

Am STC Talk vom September 2026 diskutierten Benjamin Dietsche, General Manager des Widder Hotel Zürich, und Dennis Schiergen, Head of Race beim White Turf St. Moritz, wie Schweizer Top-Events langfristig erfolgreich bleiben können.

Wenn Erfolg spürbar wird

Grosse Events sind für Destinationen eine Bühne. Sie bringen Gäste, generieren Bildmaterial, Geschichten, und wirtschaftliche Impulse. Gleichzeitig machen sie sichtbar, wo Systeme an Grenzen kommen: bei Unterkünften, Verkehr, Personal, Preisen oder lokaler Akzeptanz.

Genau um dieses Spannungsfeld ging es auf dem Podium. Moderiert von Tina Olivia Seiler und Evelyn Gorgos, standen zwei Perspektiven im Zentrum: die Spitzenhotellerie im urbanen Zürich und ein traditionsreicher Winterevent im Engadin.

Die Ausgangsfrage von Evelyn Gorgos brachte den Abend auf den Punkt: Wie lassen sich Grossanlässe wirtschaftlich erfolgreich und nachhaltig gestalten?

Es ging dabei um die Leading Swiss Events, einen Verbund von neun renommierten Schweizer Events aus Sport, Kunst, Musik und Film. Solche Anlässe prägen das touristische Bild der Schweiz weit über den eigentlichen Eventtag hinaus.

STC Talk Leading Swiss Events - White Turf
Copyright Newly Swissed

Zürich: Vom Business Hub zur Freizeitdestination

Benjamin Dietsche kennt den Zürcher Hotelmarkt aus nächster Nähe. Nach seiner Lehre im Parkhotel Weggis führt er heute das Widder Hotel in Zürich – ein Haus, das in jahrhundertealten Altstadthäusern verwurzelt ist und Zürichs Wandel als Destination aus einer besonderen Perspektive miterlebt hat.

Seine Einschätzung fiel klar aus: «Grossevents bringen neue Gäste in die Schweiz und lassen sie begeistert zurückkehren.»

Gerade Zürich zeigt, wie stark sich eine Destination verändern kann. Als das Widder Hotel in seiner heutigen Form als Luxushotel eröffnete, war Zürich vor allem ein Business Hub. Ab den 2000er-Jahren begann Zürich Tourismus verstärkt, Freizeitgäste anzusprechen.

Dietsche bezeichnete das Widder Hotel als eine Art Temperaturmesser dieser Entwicklung. Früher kamen rund 70 Prozent der Gäste aus dem Business-Segment. Heute ist es fast umgekehrt.

Events spielen bei diesem Wandel eine wichtige Rolle. Auf die Frage, was das Zürich Film Festival für das Widder Hotel bedeutet, sagte Dietsche sinngemäss: Das Filmfestival bringe dem Haus Sichtbarkeit und sei auch deshalb wertvoll, weil internationale Gäste aus der Filmwelt im Widder Hotel absteigen. Für das Hotel sei der Anlass sehr positiv.

Auch andere Grossanlässe wirken über ihren eigentlichen Ort hinaus. Wenn in Basel Art Basel stattfindet, ist das in Zürich deutlich spürbar. «Im Juni ist bei uns high season», so Dietsche.

St. Moritz: Eventglanz mit Belastungsgrenzen

Dennis Schiergen brachte die Perspektive des White Turf St. Moritz ein. Der Head of Race stammt aus einer bekannten deutschen Pferdebesitzerfamilie, war bereits mit 15 Jahren erfolgreich als Jockey und wurde mehrfach Amateurmeister sowie Schweizer Meister.

Der White Turf ist ein traditionsreicher Anlass mit internationaler Ausstrahlung. Gleichzeitig ist er in seiner Umsetzung besonders anspruchsvoll. Denn das Rennen findet auf dem gefrorenen St. Moritzersee statt.

«Es ist nur während sechs Wochen im Jahr möglich, auf dem St. Moritzersee Events auf dem Eis zu veranstalten. Da können wir nichts planen. Es ist eine Gegebenheit», sagte Schiergen.

Wie anspruchsvoll ein Grossanlass für einen kleinen Ort werden kann, zeigt sich in St. Moritz besonders deutlich. Im Februar treffen dort Wintersport, Hochsaison, knappe Unterkünfte und mehrere Veranstaltungen aufeinander. Dennis Schiergen machte klar, dass der White Turf diese Realität nicht ausblenden kann: «Wir arbeiten eng mit der Gemeinde zusammen. Da haben wir Handlungsbedarf und wir tragen Verantwortung. Wenn beispielsweise während des White Turfs der Stau zwischen St. Moritz und Samedan zwei Stunden dauert, macht das die Einwohner nicht happy.»

Damit wurde deutlich: Ein Event kann für Gäste ein Highlight sein und für Einheimische gleichzeitig Einschränkung bedeuten. Verkehr, Parkplätze, Unterkunftspreise und knappe Ressourcen entscheiden mit, ob ein Anlass getragen wird.

Ohne lokale Akzeptanz wird es schwierig

Ein zentrales Thema des Abends war die Bevölkerung. Valeria Schiergen brachte es aus Sicht von St. Moritz deutlich auf den Punkt: «Wenn die Einheimischen nicht hinter dem Anlass stehen, wird es schwierig.»

Beim White Turf versucht man deshalb, die lokale Bevölkerung aktiv einzubeziehen. Dennis Schiergen nannte den Family Day als Beispiel. Dieser sei für den Anlass zwar nicht profitabel, werde aber sehr gut aufgenommen. Er helfe, die Menschen vor Ort an den White Turf heranzuführen.

Akzeptanz entsteht also nicht zufällig. Sie braucht Transparenz, Nähe und das Bewusstsein, dass ein Event in einem Lebensraum stattfindet. Valeria Schiergen betonte, dass dies nicht nur für St. Moritz oder Zürich gelte. Wo grosse Events stattfinden, müsse die Bevölkerung einbezogen werden.

STC Talk Leading Swiss Events - White Turf
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Grossevents sind nicht automatisch Overtourism

Die Diskussion knüpfte an den STC Talk zum Thema Overtourism an. Evelyn Gorgos fragte, ob es Warnsignale gibt, an denen man merkt, dass ein Event nicht mehr stimmt.

Benjamin Dietsche zog eine klare Linie: «Die Grossevents führen nicht zum Overtourism, denn sie sind zeitlich und örtlich beschränkt. Man kann sie planen und steuern.»

Overtourism beginne aus seiner Sicht dort, wo touristische Nachfrage dauerhaft in den Alltag eingreift. Etwa dann, wenn viele Wohnungen zu Airbnbs umgewandelt werden und Einheimische Mühe haben, Wohnraum zu finden.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Ein Event kann kurzfristig belasten. Weil er zeitlich begrenzt ist, lässt er sich aber planen, lenken und auswerten. Schwieriger wird es, wenn touristischer Druck dauerhaft wird und Wohnraum, Preise und Alltag verändert.

Unterkunft wird zur Schlüsselfrage

Mehrfach kam die Unterkunftsfrage zur Sprache. Beim White Turf wird es immer schwieriger, Trainer, Betreuer und Stallpersonal in St. Moritz unterzubringen. Oft müssen sie nach Pontresina oder Samedan ausweichen.

Auch in der Hotellerie zeigt sich dieses Problem. Dietsche verwies auf Zermatt: «In Zermatt werden stets neue Hotels eröffnet, aber Zimmerkontingente für das Personal werden nicht mitgedacht.»

Damit berührte die Diskussion einen wunden Punkt vieler touristischer Orte. Wer Gäste anzieht, braucht Menschen, die diese Gäste betreuen. Wenn diese Menschen keinen Wohnraum finden, wird touristischer Erfolg zur Belastungsprobe.

Wann ist ein Event erfolgreich?

Die vielleicht stärkste Antwort des Abends kam von Dennis Schiergen: «Wenn die Gäste nicht wiederkommen und die Bevölkerung unglücklich ist, war es kein Erfolg.»

Benjamin Dietsche betonte ebenfalls, wie wichtig die Einbindung aller Beteiligten vor Ort ist. Ein Grossanlass müsse mit jenen geplant werden, die davon betroffen sind.

Erfolg misst sich also nicht allein an Besucherzahlen, Auslastung oder Medienpräsenz. Ein Event ist dann stark, wenn Gäste gerne zurückkehren, Betriebe profitieren, Abläufe funktionieren und die Bevölkerung den Anlass mitträgt.

Als positives Beispiel wurde die Frauen-Fussball-WM genannt. Sie war auf mehrere Städte verteilt, gut organisiert und trotz Hochsaison kaum als Belastung spürbar. Solche Beispiele zeigen, wie wichtig Verteilung, Planung und bestehende Infrastruktur sind.

Olympia als Testfall für die ganze Schweiz

Auch die mögliche Olympia-Bewerbung der Schweiz kam zur Sprache. Könnte ein solcher Anlass die Belastungsgrenzen sprengen oder gerade durch dezentrale Planung funktionieren?

Dennis Schiergen sah Chancen, wenn frühzeitig Verbände, Hotels und weitere Partner einbezogen werden. Wenn sich die Schweiz als Ganzes bewerbe, könnten Besucherströme stark entflochten werden.

Valeria Schiergen sprach von einem grossen Potenzial, sofern bestehende Infrastruktur genutzt werde. Benjamin Dietsche erinnerte an die Fussball-Europameisterschaft 2008 und sagte, aus touristischer Sicht sei eine solche Bewerbung zu begrüssen, wenn genügend Zeit für die Planung bleibe.

Auch hier zeigte sich: Die Grösse allein entscheidet nicht. Entscheidend sind Planungstiefe, Akzeptanz und die Fähigkeit, Lasten sinnvoll zu verteilen.

Fazit: Strahlkraft braucht Verantwortung

Der STC-Talk hat aufgezeigt, dass Schweizer Grossevents wertvolle Besuchermagnete sein können. Sie schaffen Sichtbarkeit für die Gastgeber und Partner, bringen neue Gäste und stärken das touristische Profil einer Destination.

Doch Strahlkraft alleine reicht nicht. Grossanlässe brauchen lokale Verankerung, transparente Kommunikation und ein klares Bewusstsein für die Belastungsgrenzen der Bevölkerung.

Sie müssen wirtschaftlich funktionieren, ohne die Menschen vor Ort aus dem Blick zu verlieren. Oder wie Evelyn Gorgos es treffend formulierte: «Die Welt dreht sich immer schneller und wir müssen uns anpassen. Manche Events werden verschwinden, andere werden neu entstehen.»

Die Zukunft erfolgreicher Events liegt damit nicht im blossen Wachstum. Sie liegt in Qualität, guter Planung und dem Respekt vor dem Schauplatz, der ihnen die Bühne bietet.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Panelgäste Benjamin Dietsche und Dennis Schiergen, an Tina Olivia Seiler und Evelyn Gorgos für die Moderation sowie an Antonio Comito und das Team der Emil Frey AG für die Gastfreundschaft im Range Rover Showroom Zürich-Altstetten.

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Impressionen vom Anlass im Range Rover Showroom